Keine Drittanbieter Cookies mehr in Chrome – dafür mehr Macht für Google?

Google Chrome unterbindet Drittanbieter Cookies

Wie sieht die Zukunft von Google Chrome in Bezug auf die Verwendung von Drittanbieter Cookies aus? Das beschreibt ein Artikel, den wir für Sie zusammengefasst haben. Die Originalfassung des Artikels können Sie hier in englischer Sprache lesen.

Ein Meilenstein für den Datenschutz – oder etwa doch nicht?

Keine Cookies von Drittanbietern. Das ist eine der Kernaussagen und Schlüsselfunktionen. Das klingt gut, oder? Aber wer profitiert letztendlich davon? Der Datenschutz oder Google?

Google hat im Januar 2020 angekündigt, Drittanbieter-Cookies abschaffen zu wollen. 2022 soll es dann soweit sein. Browser wie Safari und Firefox lassen bereits seit 2017 bzw. 2019 keine Drittanbieter-Cookies zu. Wegen dem immensen Marktanteil von Google wird das Projekt von Chrome allerdings eine viel größere Wirkung haben. Im Frühjahr sollen bereits erste Tests durchgeführt werden.

Bye bye Online Werbung?

Online-Werbung, so wie wir sie kennen, wird es so dann nicht mehr geben. Denn die Web-Aktivitäten von Billionen Nutzern können nicht mehr so einfach getrackt werden. Das sind schlechte Nachrichten für kleine Werbeagenturen und Webseiten, die mit Anzeigen ihr Geld verdienen.

Stattdessen wird Chrome die Kontrolle über den Werbeprozess übernehmen. Browserverläufe werden dann nur von Chrome protokolliert und die Nutzer dementsprechend in Gruppen mit ähnlichen Interessen unterteilt. Die Infrastruktur für individualisiertes Tracking und Profiling wird abgeschafft und durch eine andere Methode ersetzt, die zielgerichtete Werbung erlaubt.

Die Privacy Sandbox-Technologie

Im Projekt „Privacy Sandbox“ von Google und dem Chromium-Team werden die Ziele des Vorhabens festgehalten. Dokumentiert werden diese auch online. Weniger Anzeigenbetrug, CAPTCHAs, neue Methoden für den Einsatz von Werbung durch das Unterbinden von Drittanbieter Cookies. Das klingt eigentlich gar nicht so schlecht. Allerdings wird das Projekt derzeit von der englischen Wettbewerbsbehörde und dem Datenschutzbeauftragten der Kommission untersucht. Die Ergebnisse stehen noch aus. Kritisiert wird, dass Google und Chrome durch diese Veränderungen noch viel mehr Macht erhalten werden.

AI Systeme zur Kategorisierung der Benutzer

Google will in Zukunft „privacy-preserving API alternatives“ einsetzen. Mit Hilfe von AI-Systemen (FLoc – Federated Learning of Cohorts) sollen die Benutzer in bestimme Kategorien eingeteilt werden. Je nach Gruppierung wird den Usern dann dementsprechende Werbung vorgesetzt. Verglichen wird diese Vorgehensweise mit dem Algorithmus von Netflix: Die Historie von Benutzern ist nicht identisch, aber was A gefällt, könnte ja auch B gefallen.

Keine Drittanbieter Cookies, dafür Chrome als Herr der Daten

Alle Daten werden von Chrome verarbeitet. Anders als bei Drittanbietercookies, die „wie Konfetti herumgewirbelt“ werden, wie Chetna Bindra von Google es ausdrückt. Google wird damit zum Super-Tracker. Es wird weniger an Drittparteien gesendet, allerdings gibt es Besorgnis darüber, dass Google alleine die Kategorisierung vornehmen kann. Und so kann Google auch den Algorithmus nach Lust und Laune verändern.

Bedenken gibt es auch, was die Gruppierung anhand von sensiblen Daten angeht. Hier kann es zu „algorithmischen Vorurteilen“ (algorithmic bias) kommen, wenn Merkmale wie Rasse, sexuelle Orientierung oder Behinderungen hinzugezogen werden. Das System kann diese sensiblen Informationen über das Verhalten und das Interesse der Benutzer herausfiltern.

Google und Facebook – die zwei Giganten

Informationen aus Erstanbietercookies könnten in Zukunft besser und gezielter eingesetzt werden, wenn es keine Drittanbietercookies mehr gibt. Dies ist eine gute Nachricht für Facebook und Google, die durch ihre Produkte an viele Benutzerinformationen gelangen.

Die Gewinner wären die größten Tech-Plattformen. Und Werbetreibende müssen sich dann auf die Login-Informationen der Benutzer verlassen. Oder eben auch auf Google und Facebook, die diese Informationen für sie speichern. In Zukunft könnten noch mehr Werbegelder in Facebook, TikTok oder YouTube gesteckt werden. Allerdings gilt diese zentralisierte Kontrolle durch eine kleinere Gruppe von sehr großen Unternehmen als problematisch. Die Gefahr des Datenmissbrauchs ist hier wahrscheinlicher.

Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Werden Sie sich von Chrome als Browser trennen, wenn die Drittanbieter Cookies deaktiviert werden und dafür Google alles auffängt? Was ist Ihre Erkenntnis? Wir freuen uns über einen Kommentar von Ihnen.

Quelle: https://www.wired.co.uk/article/google-chrome-cookies-third-party-ads

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